Meine bisherigen Arbeiten waren
Variationen und Gestaltungen des Labyrinthischen. Ein zentraler Aspekt des Labyrinths
ist die Acht, nicht als algebraische Zahl, sondern als geometrische Figur: eine
Figur des Kreisens sowie des Sich-Überkreuzens im Kreisen sowie der Doppelung
bzw. Spiegelung des Kreises. Nicht ohne Grund ist die Acht in ihrer gemalten
Form die einzige Zahlenfigur, die als ewige Linie nicht abbricht, aus der es
kein Entkommen, kein Heraustreten, kein Herauskommen gibt. Sie ist die Quintessenz
des Labyrinths. Indem die acht im Vorgang des Malens sich immer weiterschreibt
bzw. weitermalt, ergibt sich eine endlose Bewegung, eine Spiegelung und Dreidimensionalität
ihrer selbst. Die labyrinthische Geschlossenheit ist daher zugleich eine Form
der Ausdehnung, der Ausgestaltung im Raum.
Es handelt sich um eine gestische Bewegung, eine Bewegung des klassischen Labyrinths.
Sie, die Acht, bewegt sich - analog dem Labyrinth - auf ein Zentrum zu und wieder
weg, pendelnd und zugleich schwingend mit Richtungswechsel. Ihr Wesen ist das
Zyklische, die ewige Wiederkehr (Nietzsche). Ihre Linien entfalten sich zu strukturellen
Formen (wie Gewebe oder Faltenwurf), die Formen erheben sich wiederum zur Schicht.
Dabei ergeben sich Inseln mit gegenübergestellten Leerräumen. Die
damit einhergehenden Farbverflechtungen und Farbschichtungen erweisen sich als
Spiel von Schärfe und Unschärfe. Aus all dem ergibt sich ein folgerichtiges
Format: das Querformat als logisch-räumliche Ausrichtung der Achterbewegung.
Die Technik ist Aquarell, die Farben sind wieder anlösbar und lasierbar.
Unter Beimischen von zusätzlichem Gummi Arabicum in die Aquarellfarbe,
verleiht ihr einen Film-Charakter, der sich über die Papierstruktur legt.
Wogegen das Beimischen von Ochsengalle bewirkt, dass die Farbe bis in die Poren
der Papierstruktur verteilt wird.
© Toni-Andrea Zelter